Auf den Ringen

Auf den Ringen

Auf den Kölner Ringen befinden sich zahlreich Skulpturen im öffentlichen Raum, durch ihre Formensprache prägen sie den Raum und werden ihrerseits durch das urbane Leben geprägt. Jedoch nicht alle Skulpturen befinden sich dort, wo sie stehen sollten:
Der Fotograf und Filmemacher Jan Rothstein nimmt uns in der filmischen Spurensuche „Kuns finge“ mit auf eine Reise durch die Stadt, ein Nachmittag bei dem Kölner Kunstvermittler und -Sammler Dietmar Schneider öffnet den Blick in sein Archiv, zeigt seine Sammlung und führt schließlich auf die Ringe, wo zwei Skulpturen aus dem öffentlichen Raum verschwunden sind. Wo sind die Kunstwerke jetzt?

Johanna Reich fragt in kurzen Videos, den Cut–Outs, nach der Wahrnehmung der bestehenden Skulpturen am Ring, der Rolle von Skulptur im öffentlichen Raum und wie man mit bestehenden Kunstwerken umgehen sollte. Kann eine Bronzeplastik wie die „Diana mit springender Antilope“ ohne klärende Kennzeichnung im öffentlichen Raum am Sachsenring stehen bleiben, obwohl bekannt ist, dass ihr Schöpfer, Fritz Behn, den Nationalsozialisten sehr nahe stand? Könnte Wolf Vostells „Ruhender Verkehr“ am Hohenzollernring nicht doch wieder auf einen Parkplatz gestellt werden?

Um dieser Spurensuche Raum zu geben, hat der Architekt Matthias Hoffmann die Rückbindung in den öffentlichen Raum geplant und gestaltet. Am Hansaplatz, der eine bühnenartige Situation – direkt an den Kölner Ringen gelegen – bietet, wird am Freitag, den 13. Oktober um 19.30 die filmische Forschungsreise als großflächige Projektion gezeigt.

„Auf den Ringen“ wird vom 13.10. – 27.10. jeden Tag von 19.30 – 22.00 im öffentlichen Raum am Hansaplatz gezeigt. Die Cut–Outs sind außerdem per QR–Code–Video vom 30.8. 2017 – 10.1.2018 im öffentlichen Raum neben den Skulpturen zu sehen.

Finissage: 27. Oktober, 19.30 Uhr

DIANA MIT SPRINGENDER ANTILOPE
Sachsenring
Fritz Behn
1878 – 1970

Fritz Behns Bronzeplastik „Diana mit springender Antilope“ (1916) wurde 1924 von der Stadt Köln erworben. Sie stand an verschiedenen Standorten im Kölner Außenraum, u.a. im Rheinpark, nach dem Krieg kurze Zeit am ehemals „Deutschen Ring“ (seit 1963 Theodor-Heuss-Ring). Sie wurde 1951 nicht nur zu Restaurationszwecken, sondern vor allem zum Schutz vor Bronzedieben – wie viele andere Bronzeplastiken mit ihr – eingelagert. 1954 wurde entschieden, dass sie in der Nähe des Deutschen Rings wieder aufgestellt werden sollte. Am 12.12.1979 wurde sie dann um 9.00 in der Grünanlage Sachsenring, ihrem jetzigen Standort, aufgestellt.
Anfang 2015 brachte ein Mann ein Antilopenbein aus Bronze zur Polizei, wobei sich herausstellte, dass es sich hierbei um einen Teil der Plastik „Diana mit springender Antilope“ handelte. Im gleichen Jahr wurde die Plastik durch Unterstützung der Stiftung Findeisen restauriert.

Der umstrittene Tierbildhauer Fritz Behn stand früh im Dienst der Kolonialbewegung, unternahm ab 1907 mehrere Afrikareisen und vertrat in seinen Schriften schon vor Beginn des 2. Weltkriegs antidemokratische und national-völkische Positionen. Er war begeisterter Mussolini-Anhänger und wetterte in seinen Schriften gegen die Moderne und deren Anhänger. Von 1939 – 1945 hielt er eine Professur an der Kunstakademie Wien inne, die er jedoch im Rahmen der Entnazifizierung verlor. Nach 1945 fand er in der Kunstszene aufgrund seiner politischen Gesinnung keinen Anschluss mehr, seinen Lebensunterhalt finanzierte er sich durch Büstenanfertigungen und Bildhauereikurse. Ein Museum, das ihm zu Ehren in Bad Dürrheim gegründet wurde, musste 2007 aufgrund von Besuchermangel geschlossen werden.

Interviews: Dr. Joachim Zeller, Historiker, Berlin und Dr. Marion Grams-Thieme, Stadtkonservatorin – Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Köln

Cut-Outs ist ein Projekt von Johanna Reich (Team 2) für das StadtLabor für Kunst im öffentlichen Raum 2017. Das StadtLabor ist eine Initiative von Kunstbeirat und Dezernat für Kunst und Kultur der Stadt Köln.
stadtlabor-koeln.de