CUT-OUTS

STADTLABOR KÖLN 2017

Menschen und ihr gesellschaftliches Leben formen die Stadt durch zeitliche und räumliche Schichtungen. Kunst im öffentlichen Raum ist eine solche Schichtung, die über Jahre hinweg eine Stadt durch ihre Form und Präsenz beeinflusst, ihrerseits aber auch geformt wird.

An den Kölner Ringen befinden sich zahlreich Skulpturen im öffentlichen Raum. Jede Skulptur besitzt ihre eigene Formensprache und Präsenz, die in Kommunikation mit dem Raum, der sie umgibt, tritt.

Die formale Grundelemente der Skulpturen an den Ringen werden als eine Schablone verwendet, durch die die Skulptur und ihr Umraum gesehen werden. Vor weißem Grund sieht man durch die ausgeschnittene(n) Grundformen der Skulptur hindurch. Fragmente des Umraums werden sichtbar bis Form und Skulptur exakt aufeinandertreffen. Die Skulptur wird durch die Schablone von ihrem Umraum getrennt, ist für einen kurzen Augenblick nur noch von Weiß umgeben. Dann geben die Lücken in der Schablone einen völlig neuen Blick auf Skulptur wie auch die Umgebung frei. Der Titel ist in Anlehnung an die berühmten „Cut-Outs“ – das Malen mit der Schere – von Henry Matisse gewählt worden, die in seiner letzten Lebens- und Schaffensphase entstanden sind.

Das Verhältnis von politischem, sozialem, städtischem oder elektronischem Raum kann im Postdigitalen Zeitalter nicht mehr getrennt werden. Der virtuelle Raum als eine weitere Schichtung, der wir im öffentlich Raum begegnen, soll Anlass geben, neu über räumliche Wahrnehmung, Haptik und den Einfluß von Kunst nachzudenken: In der Nähe der Skulpturen befindet sich auf dem Boden ein QR–Code, auf dem man per Smartphone die Videos zu den einzelnen Skulpturen anschauen kann. Man bekommt außerdem eine kurze Informationen zur Skulptur und Künstler.

 

RUHENDER VERKEHR
von Wolf Vostell (1932 – 1998)

 

1969 entstand in Zusammenarbeit mit der Galerie „art intermedia“ Wolf Vostells legendärer „Ruhender Verkehr“: Der Fluxuskünstler Wolf Vostell betonierte vor der Galerie „art intermedia“ in der Domstraße 8 seinen Opel Kapitän in 15 Tonnen Beton ein. Vor das einbetonierte Auto stellte Wolf Vostell mit Unterstützung der Stadt Köln eine Parkuhr; das Parken in der Domstraße war zu dieser Zeit noch kostenlos. Nachdem das Werk international an verschiedenen Orten ausgestellt worden war, stand es vor der Kölner Kunsthalle am Josef-Haubrich-Hof. Nach deren Abriss wurde das Auto 1986 auf die Mitte des Hohenzollernrings verfrachtet, (ohne dabei auf einem Parkplatz zu stehen). 2003 versuchten die Galeristin Inge Baecker und Kaspar König den „Ruhenden Verkehr“ in der Nähe des Museums Ludwig auf einem Parkplatz unterzubringen, dieses Vorhaben scheiterte jedoch aufgrund von Einwänden seitens des Tiefbauamtes. Im gleichen Jahr machten Studierende mit einer Aktion auf Vostells Werk aufmerksam: Ein Opel Kapitän wurde gegenüber von Vostells Auto geparkt und die Studenten diskutierten mit Passanten über das Kunstwerk.

VIDEO: Wolf Vostells Galeristin Inge Baecker spricht über den „Ruhenden Verkehr“

 

STEEL WATERCOLOR TRIANGLE RING
von Fletcher Benton (*1931, Jackson (Ohio))
Barbarossaplatz, Köln
1993

Der amerikanische Bildhauer Fletcher Benton, ursprünglich Maler, entwickelte erst kinetische Objekte, später dann monumentale Stahlskulpturen, die sich unter anderem auf den russischen Konstruktivismus zurückführen lassen.

“The Cologne visit was just perfect. When I got there, four major constructivist shows were on. Peter Ludwig had collected a lot of Russian constructivist things… I saw Malevich paintings that looked like little landscapes done by a French impressionist. And in Düsseldorf they had a reproduction of the Tatlin tower…When I came back I was very excited.“
(Fletcher Benton, 1992)

Für den Barbarossaplatz in Köln entwickelte er die Skulptur „Steel Watercolor Triangle Ring“, die 1993 dort aufgestellt wurde. Sie gehört zum Bestand des Museums Ludwig. Mit Hilfe von Patenschaften konnte die Skulptur 2014 aufwendig von Aufklebern befreit und mit einem Schutzbezug überzogen werden.

Interviews in folgender Reihenfolge: Manfred Schneckenburger (Kurator), Kathrin Kessler (Restauratorin Museum Ludwig, Köln), Rita Kersting (Stellvertretende Direktorin Museum Ludwig, Köln)

UNTERWANDERER
von Manfred M. Ott (1933-2014)
Friesenplatz
1969-70

Manfred M. Ott wurde 1933 in Köln geboren, studierte Malerei an den Kölner Werkschulen und beschäftigte sich in seinem Werk mit unterschiedlichsten Materialien und Inhalten. Zu seinem Oeuvre zählen nicht nur Skulpturen und Plastiken im öffentlichen Raum, sondern auch Kirchenfenster, zahlreiche Zeichnungen, Modelle sowie PVC-Skulpturen. Inhaltlich setzte er sich sowohl mit aktuellen Fragen menschlicher Existenz als auch mit historischen und literarischen Themengebieten sowie antiker Legendenbildung auseinander.
Der „Unterwanderer“ stand ursprünglich am Neumarkt, U-Bahnausgang zum Haubrichhof, wo er „Bezug auf die Tunnelsituation des U–Bahneingangs“ (Kolberg, 1991, S.157) nahm. Durch einem Bombenanschlag 1981 wurde die Plastik beschädigt und im Rahmen von Umbauarbeiten 2000 schließlich am Friedensplatz aufgestellt. Ein von Manfred M. Ott entworfenes Deckenrelief, das im Fußgängertunnel am Neumarkt angebracht war, wurde wegen des Umbaus der Verteilerebene 2000 eingelagert und ist aus Kostengründen bis heute nicht wieder angebracht worden.

Interviews in folgender Reihenfolge:

Manfred Schneckenburger (Kurator), Georg Elben (Direktor Skulpturenmuseum Glaskasten Marl)