Der Blick auf die Welt

Der Blick auf die Welt

Installation; 12 Fotofahnen, 1,50m x 3,00m und 12 x Oral History auf Kopfhörern

»Computer sind gewaltige Instrumente zum Projizieren alternativer Wirklichkeiten, vorher ungeahnter Welten. Aber das alles hat wenig Sinn, solange wir nicht wissen, wozu das alles.«
(Vilém Flusser)

»Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.«
(Søren Kierkegaard)

Nach den Jahren der Digitalisierung sind wir im Post-Digitalen Zeitalter angekommen. Aus dem Hier und Jetzt ist ein Überall und Immerzu geworden, “Bilderstürme” erzählen unser Leben in immer rasanterem Tempo, bestimmen unseren Alltag. Um diesem Wandel habhaft zu werden, kann man zwar die Bilderflut nicht eindämmen, wohl aber der überbordenden Schnelligkeit auf andere Weise Einhalt gebieten und die Frage stellen, was von all den Bildern bleibt. Aber gibt es “die” wichtigen Bilder unserer Zeit überhaupt?


DER BLICK AUF DIE WELT

Im Projekt DER BLICK AUF DIE WELT forscht Johanna Reich nach Bildern, die sich von der Bilderflut absetzen – die “bleiben” – und sich ins globale wie persönliche Gedächtnis eingebrannt haben.

Personen zwischen 20 und 90 Jahren werden gebeten ein für sie “bleibendes” fotografisches Bild der Zeitgeschichte der letzten 100 Jahre zu benennen und über ihren persönlichen Bezug zu diesem Bild zu berichten. Die Antwort wird als Audiodatei aufgezeichnet; das ausgewählte Bild als Lichttattoo auf den menschlichen Körper projiziert, wo bei beide miteinander verschmelzen. Dieses Bild wird auf leicht durchsichtigen Fotofahnen, die im Ausstellungsraum hängen, gezeigt. Durch den analogen Prozess des Projizierens auf die menschliche Haut findet ein `Begreifen` des Bildes statt, es schreibt sich durch diesen Vorgang in die menschlich Haut ein. Die Audiodatei kann während der Betrachtung des Fotos über Kopfhörer angehört werden und eröffnet einen persönlichen Blick auf ein globales Bild.


Sight Connection, NRWbank Münster, Monitore: The Chorus of Passing Footsteps von Daniel Burkhardt

 

Der erste Teil der Arbeit „Der Blick auf die Welt“ entstand im Rahmen der Ausstellung Bildersturm in Bonn. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Katholischen Bildungswerks Bonn und des Evangelischen Forums in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn und dem LVR Museum Bonn. Die Ausstellung wurde kuratiert von Susannah Cremer-Bermbach.

Die Weiterführung von „Der Blick auf die Welt“ entstand im Rahmen der Ausstellung SIGHT CONNECTION, Daniel Burkhardt und Johanna Reich, anläßlich des 60jährigen Jubiläums der GWK und wurde von Susanne Schulte kuratiert.