The circuit of rebellion

DVCPRO HD, 3`20, 2013

 


Auszug aus dem Text zur Ausstellung „Eroberung der Wand. Narzarenerfresken im Blick der Gegenwart“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2013, von Jutta Mattern:

Wir verlassen nun die Ausstellungsebene und begeben uns in die Meier’schen Tunnelbereiche. Dort erwartet uns direkt am Ende der Tunnelröhre, in unmittelbarer Nähe zu den Aufzügen, die uns einmal in die Gefilde des Lichts und zu den Verbindungsgängen ins Freie führen, die Videoarbeit »On Fire« von Johanna Reich. Die Projektion zeigt eine schwarz gekleidete anonymisierte Person, die – mit dem Rücken zum Betrachter – sich mit kräftigen Pinselstrichen in die Wand hineinmalt, dynamisch mit einem Duktus ähnlich dem eines Graffitis beherrscht sie die Szene. Gleich einem »Angriff« auf die Wandoberfläche bahnen sich diese Gesten den Weg, um an Ort und Stelle ein Dahinter freizulegen. Die Ausgangsfläche ist weiß. Überall dort, wo mit dem Pinsel Farbe aufgetragen wird, entstehen Fehlstellen auf der Wand, aus denen – dem Malduktus folgend – Flammen emporzüngeln und sich dann im Zuge der Verdichtung der Pinselstriche, über die gesamte Fläche ausbreiten. Johanna Reich selbst spricht von einem »Wegätzen« des Malgrundes: Ein Paradoxon, die kontinuierliche Ausweitung der Malerei führt unweigerlich zu ihrem Verschwinden. An ihre Stelle tritt ein loderndes Feuer umgeben von einem tiefschwarzen Umraum, der eine weitere räumlich abstrakte Dimension suggeriert. Am Ende des expressiv-exzessiven Malaktes lehnt die Person den Pinsel an die Wand, entledigt sich ihrer schwarzen Kleidung, wirft sie weg, um dann mit dem aus Flammen bestehenden Körper in der lodernden Wandfläche aufzugehen. Die Verquickung von Malerei und Film mit seinen bewegten Bildern macht diese Illusion perfekt und entführt uns in eine unbestimmte Fläche, der die Architektur abhanden gekommen ist. Damit folgt sie einem Strang der Wandmalerei, die sich seit jeher mit der Auflösung der Fläche beschäftigt, um eine illusionistische Raumtiefe zu erzeugen. Neben dieser malerisch-filmischen Aktion setzt Johanna Reich inhaltlich die Flammen in Beziehung zu der Symbolik des Heiligen Geistes, der laut der Apostelgeschichte (2,1-4) zu Pfingsten in Gestalt von Flammen auf die Jünger herabkam, damit sie von Jesus Christus als Erlöser der Welt Zeugnis geben.

Die Arbeit On Fire | Phoenix entstand im Rahmen der Ausstellung Die Eroberung der Wand. Nazarenerfresken im Blick der Gegenwart, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2013.

„Die spektakulären Fresken von Johann von Schraudolph im Speyer Dom sind das letzte eindringliche Zeugnis einer vergangenen Epoche: Als einzige Wandmalereien im Stil der Nazarener überstanden sie den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs. Nach 50 Jahren im Verborgenen sind die überwältigenden Eindrücke der „Zwölf Apostel“ heute wieder erfahrbar. Facettenreich und innovativ greifen zudem zwölf zeitgenössische Künstlerinnen – Sonja Alhäuser, Fides Becker, Ariane Epars, Martina Klein, Zilla Leutenegger, Christiane Löhr, Franziska Nast, Johanna Reich, Karin Sander, Swoon, Dorothee von Windheim und Heike Weber – die Vorbilder auf. Mit Videoarbeiten, Fresken aus Seife und Silikon, Architekturgemälden unter anderen eindrucksvollen Werken wird der Begriff Wandmalerei neu definiert.“  

(„Die Eroberung der Wand. Nazarenerfresken im Blick der Gegenwart“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2013)


On Fire | Phoenix

A person dressed in black is covering a white wall with fiery paint. With her hand raised high the brush seems to transform into a torch. The protagonist keeps on painting until a flaming pattern of lines is formed. Then she pauses for an instant and starts to undress herself. Under her black clothes her body consists of flames: she melts with the flames on the wall and disappears.

 


 

Exhibition view: „Die Eroberung der Wand | Nazarenerfresken im Blick der Gegenwart“, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2013inst_ARPMUSEUM_dunkel


Die Arbeit On Fire | Phoenix gehört zur Serie der Videopaintings und befasst sich mit der Verbindung von Malerei und Video im Arbeitsprozess des Künstlers. “Phoenix” stellt die Frage nach dem Material Farbe genauer gesagt: digitaler Farbe.

Anders als ein Gemälde auf Leinwand ist Video ein formbares Medium, dessen Stärke sich darin zeigt, in Größe und Form, auf den jeweiligen Ort einzugehen. On Fire | Phoenix wird nicht nur im Ausstellungsraum gezeigt, sondern – mit einem portablen Videoprojektor – im öffentlichen Raum und verbindet sich, projiziert auf Mauern oder Gegenstände, mit seinem Projektionsuntergrund.

fackeldraussen