RESISTANCE

LUTHER UND DIE AVANTGARDE

Die Arbeit „Resistance“ entstand im Rahmen der Ausstellung Luther und die Avantgarde in Wittenberg. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn mit dem Reformationsjubiläum 2017 e.V. und Teil der Weltausstellung Reformation (www.stiftungkunst.de // www.r2017.org).

Die Ausstellung wurde kuratatiert von: Kay Heymer, Susanne Kleine, Dimitiri Ozerkov, Walter Smerling, Peter Weibel, Xu Dan

Marie and Oskar Schindler, Altes Gefängnis Wittenberg

„Die Frage, die man mir nun stellte, und zu deren Beantwortung ich hier antrete, lautet: Wo beginnt Widerstand? Sie suggeriert einen neuen Anfang, zu dem ich zurückgehen soll, um ihn aufzuspüren, auf ihn zu zeigen, ihm seine Neuartigkeit zu entreißen. Dieser Punkt müsste also ein Ereignis bezeichnen, von dem ab sich alles verändert. Bis hier her haben wir weggesehen, doch jetzt ist es zu viel. Solange habt ihr uns ausgebeutet, doch jetzt werden wir uns erheben und in unserem Widerstand uns gegen euch stellen. Entweder ein Kampf ums Überleben oder der totale Rückzug, der dem Anderen jeden Zugriff verweigert.“
(Reichert, André: Widerstehen und Werden. In: Hechler, Daniel und Philipps, Axel (Hg.): Widerstand denken: Michel Foucault und die Grenzen der Macht, Bielefeld 2008, S.136.)

Wie kann Widerstand gedacht werden?
Wie sich unsere Welt durch die Digitalisierung verändern wird, können wir immer noch nicht und immer weniger absehen. Die Zeit des Postdigitalen Zeitalters ist im politischen Diskurs durch zwei unterschiedliche Phänomene geprägt: Die „Postdemokratie“ und die „Commons“. Der Begriff „Postdemokratie“ steht für die These, dass aufgrund der enormen Ausweitungen digitaler Kommunikation eine scheinbare Demokratie entsteht, bei der sich alle äußern können, aber letztlich doch nur wenige entscheiden. Der Ansatz des „Commons“ hingegen will Beteiligung und Entscheidungen direkt miteinander verbinden und so eine neue Institution entwickeln.

Vor dem Hintergrund einer nicht zu überblickenden Masse von instabilen und bedeutungsoffenen Bezugspunkten, Umbrüchen und Krisen, hinterfragt Johanna Reich, welche Haltung die heutige Generation von Heranwachsenden gegenüber den Themen Macht und Widerstand einnimmt. Im Projekt „Resistence“ befragte sie Jugendliche aus zehn verschiedenen deutschen Städten im Alter zwischen 14 und 22 Jahren, welche Bedeutung für sie der Begriff Widerstand in der heutigen Zeit spielt und ob es für sie Personen aus der Vergangenheit und Gegenwart gibt, mit denen sie sich identifizieren und die für sie wichtige Positionen des Widerstands ausmachen.

Die befragten Jugendlichen wählten das Bild eines Widerständlers, Freiheitskämpfers oder Rebellen aus, der/d sie persönlich fasziniert. Dieses Bild wurde auf das Gesicht des Teilnehmers projiziert und mit der Kamera festgehalten. Die Jugendlichen wählten hierbei eigenständig aus, in welcher Haltung sie stehen und auf welche Weise sie mit dem „Rebell“ verschmelzen wollten. Die Bilder wurden nicht durch eine digitale Bildbearbeitung editiert, sondern manuel per Beamer auf den Körper projiziert: Im Handeln wird eine physische Spur auf dem Körper hinterlassen, die eine Erfahrung haptisch begreifen lässt und sich in den Körper einschreibt.

Leon and Martin Luther King, Dr. Behring Straße, Wittenberg

Die Portraits, in denen sich Jugendliche zu Freiheitskämpfern der Geschichte positionieren, sind vom 18. Mai – 19. September 2017 auf zehn Litfaßsäulen im öffentlichen Raum von Wittenberg zu sehen.

Litfaßsäulen dienten während ihrer Entstehungszeit im 19. Jahrhundert nicht nur dazu, Annoncen anzuzeigen, sondern – ähnlich wie zu Zeiten Luthers die Schloßkirchentüren – auch dazu, wichtige öffentliche Nachrichten zu publizieren. Erst später wurden sie vollständig als Werbemedium eingesetzt. Zur Zeit verschwinden viele der Litfaßsäulen aus dem Stadtbild bzw. werden durch hinterleuchtete und rotierende City-Light-Säulen ersetzt, die aufgrund ihrer Plakatmaße nur noch großformatige Plakatwerbung zulassen und Plätze für kulturelle „Kleinwerbung“ verdrängen. Im Projekt „Resistence“ werden die Säulen für die Kunst eingenommen: Auf dem verschwindenen Medium zeigt eine junge Generation ihre Beziehung und Haltung zu Widerstand.

Andres and Harvey Milk, Dessauer Str.| Post, Wittenberg

 

Rosa and Rosa Luxemburg, Altes Gefängnis, Wittenberg

 

Hannes and Georg Elser, Dessauer Str.|Christuskirche, Wittenberg
Erna and Yemi Alade, Katharinenstraße, Wittenberg
Olli, Leo and Luke Skywalker, Dessauer Str.| Post, Wittenberg
Anna and Waris Dirie, Dessauer Str.| Unterführung
Moritz and Nelson Mandela, Dessauer Str.| Christuskirche, Wittenberg
Laura and Faye Dunaway, Dessauer Str.| Christuskirche, Wittenberg
Isabella and Rosa Parks, Katharinenstraße, Wittenberg
Kpapou and Malcolm X, Alte Wittenberger Str. | Pratau
Johanna, Hossein & Sophie Scholl, Dessauer Str.| Unterführung, Wittenberg
Yesol and Nelson Mandela, Dessauer Str.| Unterführung, Wittenberg
Asdrúbal and Óscar Arias Sánchez, Dessauer Str.| Post
Laura & Dorothy Gale, Katharinenstraße, Wittenberg
Asdrúbal and Abraham Lincoln, Dr. Behring Straße, Wittenberg
Leo and Georg Elser, Alte Wittenberger Straße, Pratau
Violetta und Anne Frank, Dr. Behring Straße, Wittenberg
Zion and Bob Marley, Straße der Befreiung, Wittenberg

 

Rosa and Rosa Parks, Straße der Befreiung, Wittenberg

 

Leon und Georg Elser, Straße der Befreiung, Wittenberg
Milena und Isadora Duncan, Berliner Straße, Wittenberg
Caroline und Carrie Fisher, Berliner Straße, Wittenberg