RESURFACE (Part I)

Resurface, REWRITING HISTORY, Archive of forgotten female artists of the 19/20 century

Exhibition "#femaleheroes" @ Galerie Priska Pasquer

RESURFACE I: Stolen History

Installation: Video, 250 Polaroid fotos (archiv in extension), 2012-2020

“RESURFACE“ is a ongoing research project about – more or less – forgotten international female artists of the 19th and 20th century. Based on Linda Nochlin’s famous essay “Why have there been no great Woman Artists” (1971), the project examines whether there really were no extraordinary international female artists of the 19th and 20th century – except of the famous ones like Frida Kahlo or Käthe Kollwitz? Although the circumstances at the time made it very difficult for women to embark on an artistic career Johanna Reich found about 400 female artists in different archives who were really famous during their time like for example the Finland-Swedish artist Helene Schjerfbeck who sold already with 17 years her paintings to the Finnish Art society.
Johanna Reich and her team tried also used the internet as a democratic tool to rewrite history: The artists who are not yet present on the internet show up in wikipedia entries.
From over hundred artists Johanna Reich made Polaroid photos and recorded the process of foto development with the video camera to let these female artists appear again. The Polaroid portraits function as a caption including a biographical segment.

Resurface, forgotten female artists of the 19./20 century, at Priska Pasquer Gallery

Im Projekt „RESURFACE“ lässt Johanna Reich die Portraits von vergessenen Künstlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts wieder auftauchen. Ausgehend von Linda Nochlins berühmtem Essay “Why have there been no great Woman Artists” (1971) untersucht das Projekt, ob es wirklich keine excellenten internationalen Künstlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts gab – ausser berühmter Positionen wie Frida Kahlo oder Käthe Kollwitz. Frauen der damaligen Zeit waren, wollten sie eine künstlerische Laufbahn einschlagen, extrem schwierigen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Im Laufe von Johanna Reichs Recherche in verschiedenen Museen, Sammlungen und Archiven entstand eine Sammlung von 400 Künstlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, die zu ihrer Zeit erfolgreiche und eigenständige Kunstpositionen vertraten, im Laufe der Geschichte aber in Vergessenheit gerieten.

Die in verschiedenen Archiven ausfindig gemachten Künstlerinnen tauchen durch die fortschreitende Digitalisierung nach und nach im Internet auf bzw. wurden von Johanna Reichs Team online gestellt. Sie unterwandern so das durch männliche Künstler geprägte Bilder der Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und stellen die Frage danach, wie sich Geschichtsschreibung im Postdigitalen Zeitalter verändert hat: wurde sie früher durch Bücher fixiert, so wird sie heute durch das Internet generiert, was auf der einen Seite die Gefahr einer Filterbubble in sich bergen kann, auf der anderen eine große Demokratisierung ermöglicht – und Bekanntes in Frage stellt.

Von über hundert ausgewählten Künstlerinnenportraits fertigt Johanna Reich Polaroidbilder an und bildet den Prozess der Bildentwicklung mit der Videokamera ab. Kernstück der Videoinstallation „RESURFACE I“ ist eine Projektion, die die Portraits der in Vergessenheit geratenen Künstlerinnen auf einer weißen Fläche für einen kurzen Moment auftauchen lässt. Als ergänzende Bildlegende fungieren die in langer Reihe angeordneten Polaroid-Portraits der Künstlerinnen samt eines biografischem Wikipedia Ausschnitts, der sich bei genauerem Hinsehen kaum entziffern lässt. Johanna Reich bietet dem Betrachter scheinbar eine Information an, entzieht ihm diese durch die Transformation vom digitalen ins physische Medium jedoch wieder.


Christina Lindner im Rahmen des Katalogs zum Dokfest Kassel, Ausstellung im Fridericianum 2016

Resurface

Gedächtnis – Erinnerung – Vergessen – längst interessieren sich nicht mehr nur Neurowissenschaftler und Mediziner für diese schwer greifbaren und immer etwas diffus scheinenden Begriffe. Auch die Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften beschäftigen sich mittlerweile mit der Thematik. Die Gründe, Folgen und Mechanismen des Vergessens, dem vermeintlichen Gegenpol der Erinnerung, rücken seit einigen Jahren mehr und mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses.

Fridericianum, 2016

Die Künstlerin Johanna Reich beschäftigt sich in ihrem Projekt RESURFACE, zu deutsch Wiederauftauchen, mit dem Vergessen als Ausgangspunkt eines Wiederentdeckens.
Im Laufe ihrer Recherche in verschiedenen Archiven entstand eine Sammlung von 300 Künstlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, die zu ihrer Zeit eigenständige künstlerische Positionen vertraten, teilweise auch finanzielle Erfolge verbuchen konnten, jedoch im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Mit der zunehmenden Digitalisierung analoger Fotografien finden auch ihre Porträts und Arbeiten durch eine Verbreitung über das Internet den Weg zurück in die Öffentlichkeit und sind einem größeren Publikum zugänglich. Unter ihnen befinden sich beispielsweise die Malerin Florine Stettheimer, die in den 1920er und 1930er Jahren mit ihren, an Miniaturmalerei erinnernden Arbeiten in der New Yorker Kunstszene für Aufsehen sorgte, die Australierin Hilda Rex, deren Arbeiten 1911 im Pariser Salon ausgestellt wurden, wie auch die finnlandschwedische Malerin, die bereits mit 17 Jahren ihre Arbeiten an die Finnische Kunstgesellschaft verkaufte.

Von über sechzig der ausgewählten Künstlerinnenporträts fertigt Johanna Reich Polaroidbilder an und bildet deren Entwicklungsprozess mit der Videokamera ab. Mittelpunkt der Videoinstallation RESURFACE ist die Projektion dieses Filmes auf Schaumfolie. Weiß, beinahe transluzent scheint sie zwischen Boden und Decke zu schweben. Die Konturen der Gesichter zeichnen sich darauf immer deutlicher ab, für einen Moment sind sie ganz präsent und gegenwärtig – dem Vergessen für kurze Zeit entrissen um dann wieder zu verschwinden. Etwas schemenhaft diffuses, wie eine flüchtige Erinnerung, die man noch nicht ganz greifen kann, bleibt jedoch. Die in einer Reihe an der Wand angeordneten Polaroid-Porträts, ergänzt durch einen kurzen biografischen Text, der der Wikipedia entnommen ist, fungieren als Bildlegende. Der Kampf der Frauen um Anerkennung in der Kunstwelt ist so alt wie die Kunst selbst. Vom Kunstbetrieb nur am Rande oder gar nicht wahrgenommen verschwanden zahlreiche Kunstwerke samt ihren Schöpferinnen in der Versenkung des Vergessens. Nur wenige Ausnahmen, wie etwa Paula Modersohn-Becker, bestätigen diese Regel. Seit einiger Zeit ist ein ansteigendes Interesse an jenen oft ignorierten oder vergessenen Positionen zu verzeichnen. So widmet beispielsweise das Verborgene Museum in Berlin Ausstellungen und Buchprojekte ausschließlich Künstlerinnen, die meist in der Weimarer Republik tätig waren, jedoch nie die künstlerische Anerkennung bekamen, die ihnen zustand. Reich ermöglicht uns mit ihrer Arbeit einen Blick aus einer neuen Perspektive auf die von Männern dominierte Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

1 Oliver Dimbath und Peter Wehling: Soziologie des Vergessens: Konturen, Themen und
Perspektiven. 2011.

@jreich-9609

 

 

 

Installation View: Exhibition #femaleheroes at Priska Pasquer Gallery

The exhibition brings together works by JOHANNA REICH, CATRINE VAL, RADENKO MILAK and RUDOLF BONVIE. These works are supplemented by a cabinet exhibition featuring female portraits from the 1920s and 1930s.The various positions show the “image of women”, both from a public social viewpoint and an inner, personal perspective. The exhibition was curated by Jeanette Zwingenberger and Priska Pasquer.

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