Signs of a City

I noted in a review that the art gallery had become so transformative that you could take virtually anything into it and it would look like art; back outside it would resume its banal identity 
(Brian O’Doherty, Inside the White Cube)

Im Rahmen des Projekts WEISSE RÄUME (2011 – 2014) sind eine Reihe von Skizzen MODELLE I-IV, die Fotoserie WEISSE RÄUME und das Video Signs of a City entstanden, die sich mit Fragestellungen zum Faszinosum Weisser Raum auseinandersetzen. Ausgelöst durch meinen Besuch in Island, wo ich zum ersten Mal das Phänomen White Out beobachten konnte, entstanden Skizzen, die den weissen Raum untersuchen. Aus künstlerischer Perspektive betrachtet, stellten sich dabei schnell Fragen zum legendären Ausstellungsmodell White Cube – aber auch zum magischen Moment der Erschaffung eines Bildes, die das leere weiße Blatt bzw. die weisse Leinwand als Anfang des Schaffensprozesses einläutet.

WHITE OUT

Das erste Mal konnte ich das verblüffende Phänomen des WHITE OUT auf Island beobachten: Der schneebedeckte Boden wurde aufgrund der Lichtsituation im Farbton des Himmels eingefärbt, so dass Himmel und Erden miteinander zu verschmelzen schienen; der Horizont verschwand. Tief in die Schneemassen eingegrabene Telefonmasten waren der einzige Hinweis auf eine Trennung zwischen Himmel und Erde. Blickte man auf das Schneefeld, schien es für einen Augenblick so, als sei man in einem unendlichen White Cube gelandet. Der Umraum wurde zum magischen Nichts, Objekte traten – ihrem ursprünglichen Kontexte und der Dreidimensionalität enthoben – in aller Deutlichkeit hervor: ein magischer weißer Raum – die Welt ein White Cube.

whitecycle6whitecycle1

SIGNS OF A CITY

HD, 6`15, 2013, Projektion auf eine von zwei Personen getragene Leinwand

Eine weiße Leinwand wird durch eine Großstadt getragen. Dabei fängt die leere Fläche Schatten von Straßenschilder, Lampen und anderem städtischem Inventar ein: im Moment, in dem ein Schatten auf die leere Leinwand fällt, wird die Leinwand nicht nur in ein Gemälde transformiert, sondern zugleich in eine Projektionsfläche, auf der sich ein schwarz-weiß Film abzeichnet, der nach wenigen Sekunden wieder verschwindet.
Der Film Signs of a City gehört zur Serie WEISSE RÄUME – einer Reihe von Arbeiten, die sich mit der Faszination für die weiße Fläche auseinandersetzen; sei es die noch unberührte Leinwand, auf der alles imaginäre möglich zu sein scheint oder die weiße Wand des White Cubes, der jedes in ihn platzierte Objekt vereinnahmt und mit einer sakralen Aura auflädt. Indem in Signs of a City Bilder eingefangen und sogleich wieder freigegeben werden, versucht der Film dem Topos der weißen Wand mit einer Leichtigkeit en passant zu begegnen.
Signs of a City erforscht die vielfältige Rollen und Auswirkung der weißen Fläche: Leere Leinwände durchstreifen den Stadtraum und verleiben sich Schatten ein: ein Schatten auf der weißen Wand wird aus seiner gewöhnlichen Umgebung herausgehoben, hervorgehoben und für einen kurzen Moment exponiert: er wird zur Kunst, zu einem Gemälde, bewegt sich die Leinwand zu einem Film. Sobald die weiße Fläche hinter dem Objekt verschwindet, integriert sich der Schatten wieder in seinem Umraum. 
Aber auch die leere weiße Fläche lädt sich mit Bedeutung auf: nach Brian O`Doherty ist die weiße Zelle das prominenteste Kunstwerk des 21. Jahrhunderts: „Das Bild eines weißen, idealen Raumes entsteht, das mehr als jedes einzelne Gemälde als das archetypische Bild der Kunst des 20. Jahrhunders gelten darf.“ 
Die weiße Fläche wird zu einem Mantra, zur weißen Leerstelle im Bild, zu einem analoger Pixel, der sich durch die Videozeilen bewegt, Schatten einfängt und wieder hergibt. Und zeitgleich bleibt sie immer die leere Leinwand, auf der alles imaginäre möglich zu sein scheint.

Die Arbeit Signs of a City wurde im Rahmen des Förderprogramms der Sparkasse KölnBonn, betreut durch die SK Stiftung Kultur, produziert.
Das Video wird auf einer von zwei Personen getragenen Leinwand projiziert.

 PerformanceSigns

 

Installation view at 10qm, Köln 2013: www.10qm.de

 

„I noted in a review that the art gallery had become so transformative that you could take virtually anything into it and it would look like art; back outside it would resume its banal identity“
(Brian O’Doherty, Inside the White Cube)

The Void and The White

A white canvas is carried through a city. The empty white surface catches shadows of city signs, lamps or rubbish bins and transforms them into art. The canvas does not only represent a white wall of the legendary white cube or the substrate for a not yet painted painting but also works as an allegory for the cinema screen which escaped cinema. For an instant the white screen provides a projection surface for shadows and reminds of Platos famous allegory of the cave (Republic 7.514a). Signs of a City  is a search looking at our surroundings in a different way to receiving a new perspective and to leave the convenient institutions to finding art in real life.
Signs of a City is projected onto a white canvas on the street upholded by two volunteers of the audience. The screening will be finished when nobody of the audience want to uphold the canvas anymore.

Signs of a City  was produced within the frame of Förderprogramms der Sparkasse KölnBonn.