A Drone Painting | Black Square on White Ground

2,7 K Video, 3`00, 2016

„Alle Verhältnisse und mit ihnen die Raumauffassung ändern sich mit Beginn der flächendeckenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert; […]Man könnte auch vom Phänomen allgemeiner Beschleunigung sprechen.[…] Für den Zugreisenden gibt es keinen festen Fluchtpunkt mehr, sein Auge streift die Dinge, deren Erscheinung die Geschwindigkeit verunklärt. […] Keinen Halt mehr haben – das sind die irritierenden Sinneseindrücke auch angesichts der technischen Großbauten auf den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts.“
(Christa Maar/Hubert Burda: Iconic Worlds, Köln, DuMont-Literatur-und-Kunst-Verlag, 2006)

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1858 fotografiert der Franzose Nadar die Welt zum ersten Mal von oben, aus einem Fesselballon. Die Zentralperspektive des 15. Jahrhunderts mit einem Fluchtpunkt auf der Horizontlinie wird in Frage gestellt; die Erde verwandelt sich in eine ornamentale Fläche, auf der vertraute Bezugspunkte kaum mehr zu identifizieren sind.

In Johanna Reichs Videoarbeit „A Drone Painting | Black Square on White Ground “ sieht man eine grüne Landschaft aus der Vogelperspektive, auf der sich eine weiße Leinwand befindet. Auf diese Fläche malt die schwarz gekleidete Künstlerin ein „schwarzes Quadrat auf weißem Grund“. Aus dem Perspektivwechsel, dem Blick von oben, entsteht eine Distanz – der Betrachter kann alles sehen, alles erfassen und dennoch ist er aus dem Geschehen herausgehoben. Mit seinem Blick tastet er die Oberflächen des Bildes ab, er nimmt er eine panoptische Position ein. Durch den Akt des Malens jedoch entzieht sich die Künstlerin vor laufender Dronenkamera dem allüberwachenden Blick des Betrachters.

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„Eine wirkliche, absolute Ordnung in dem Leben der Menschen mit- und untereinander wäre nur dann zu erreichen, wenn die Menschheit die Gestaltung dieser Ordnung im Sinne der unvergänglichen Werte durchführen wollte. Augenscheinlich müßte demnach das künstlerische Moment in jeder Hinsicht als das entscheidende angesehen werden: solange dies nicht der Fall ist, wird in dem Leben der Menschen untereinander statt der ersehnten Ruhe der ‚absoluten Ordnung‘ die Unruhe der ‚provisorischen Ordnungen‘ herrschen“
(Kasimir Malewitsch/ Werner Haftmann: „Suprematismus – Die gegenstandslose Welt oder das befreite Nichts, Teil I und II PLUS Das suprematistische Manifest Unowis // Die Schriften der Jahre 1922, 1923 und 1924“, Köln, DuMont Literatur-und-Kunst-Verlag, 1989)

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In 1858 the French photographer Nadar took the first photography from above, flying in a tethered balloon. For the first time the central perspective of the 15th century is questioned; the new perspective transforms the earth into an ornamental surface, all familiar reference points are barely identifiable.
Johanna Reichs video „A Drone Painting | Black Square on White Ground“ shows a green landscape from above. A drone camera records the black-clothed artist while painting a „black square on a white background.“ The view from above creates a distance – the viewer can oversee everything. His eyes can scan the surfaces of the image taking a panoptic position. By the anachronistic act of painting, however, the artist disappears in front of the drone camera.