BLACK HOLE
DV, PAL, 6`00, 2009
Ein-Kanal-Videoinstallation

Mit ihrer Videoarbeit Black Hole führt Johanna Reich die Doppelbödigkeit sinnlich vermittelter Welterfahrung buchstäblich und unausweichlich vor Augen. Die Kamera beobachtet dabei aus der Vogelperspektive in einer einzigen, umgeschnittenen Einstellung einen eher unspektakulär anmutenden Vorgang. Eine Person tritt in einen verschneiten Garten und beginnt, einen kleinen Teil des Rasens um sich herum mit den Händen vom Schnee zu befreien. Immer größer wird der schwarz erscheinende Rasenbereich im Weiß der Schneefläche und immer schwieriger wird es, die gänzlich schwarz gekleidete Figur vor dem dunklen Grund auszumachen. Am Ende verschmilzt die Figur vollständig mit den Hintergrund und und entschwindet damit unserem Blick, ohne freilich das Bild tatsächlich verlassen zu haben. The Presence of Absence nennt Johanna Reich bezeichnend jenen Werkkomplex, zu dem auch Black Hole gehört.

Was die nachhaltige Irritation dieser Arbeit bewirkt, ist nicht keineswegs allein der durchaus frappante, eigentlich aber auch vorhersehbare visuelle Effekt. Wie leicht und zugleich wirkungsvoll unser Auge in die Irre geführt wird, wissen wir längst aus den bekannten optischen Täuschungsbildern. Über diese allerdings weist Johanna Reich in so fern hinaus, als wir der Videoarbeit Black Hole gerade nicht auf eines eines jener mehr oder weniger abstrakten Muster schauen, die eigens zum Zwecke der Augentäuschung ausgeklügelt wurden. Statt dessen spielt die Szene in unserer alltäglichen Welt, tritt in Widerspruch zu einer permanent als verlässlich erfahrenen und sicher geglaubten Wirklichkeit. In Johanna Reichs kurzem Video klaffen Wahrnehmung und unser aus Erfahrung gewonnenes Wissen um eine als faktisch begriffene Realität eklatant auseinander. What You See Is What You Getoder eben auch nicht.bochum3

Black Hole handelt ist aber nicht nur von den Unwägbarkeiten unserer Erkenntnis einer äußeren Wirklichkeit, der Videoarbeit wohnt ebenso ein medienreflexiver Aspekt inne, ist doch am Zustandekommen der beschriebenen Wirkung das Medium keineswegs unbeteiligt. Nur vermeintlich beschränkt sich die Kamera auf eine dokumentarische Funktion, zeigt unbestechlich nicht mehr und nicht weniger als das, was ist. Vielmehr schafft sie ein neue Wirklichkeit unter veränderten, das heißt ihren eigenen Bedingungen. Wir sehen immer nur das, was die Kamera uns zeigt, und wir sehen es nur so, wie die Kamera es uns zeigt. Die technischen Bildmedien, für gewöhnlich als enorme Grenzerweiterungen unseres Blickbereiches gefeiert, erweisen sich hier im Gegenteil als Verstärker einer grundsätzlichen und systemimmanenten Unschärfe, die sich zwischen Welt und Betrachter schiebt.

Reinhard Buskies

Exhibition view: „WYSIWYG“, Kunstverein Bochum, 2013


BLACK HOLE
DV, PAL, 6`00, 2009
Single Channel Videoinstallation

A camera observes a snowy landscape. A person dressed in black removes the snow until it merges with the surface beneath the snow. The person before the camera vanishes.

Black Hole is not only a play of humans perception it rather reveals a media reflexive aspect and deals with the philosophical term existentialism.

Jean-Paul Sartres doctrine existence precedes essence is especially interesting in relation to contemporary questions of surveillance: Even by beeing watched every minute there is a free decision to find a way to resist. The camera seems to be limited to a documentary function while shooting Black Hole. We only see what the camera shows us, and we see it only as the camera shows us. The technical visual media, usually celebrated as an extansions to our restricted view, is here streched to it`s limits.

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Exhibition view: Kunsthochschule für Medien Köln, 2010

blackHoleInstallation

Exhibition view: WYSIWYG, Kunstverein Bochum, 2013bochum3

Exhibition view: VON DRITTEN RÄUMEN, Kunsthaus Hamburg, 2010KunsthausHamburg